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11-08-2017 - 12:00

ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU


Kategorie: Wissenschaft, Forschung, Bildung
Pressemitteilung von: Ludwig-Maximilians-Universität München
PR Agentur: Ludwig-Maximilians-Universität München
Der Europäische Forschungsrat hat fünf Nachwuchsforscherinnen und -forscher und ihre Projekte an der LMU mit Starting-Grants ausgezeichnet.

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Fünf Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verschiedener Disziplinen haben gemeinsam mit der LMU einen Starting-Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) für ihre Forschung eingeworben. Die Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von jeweils etwa 1,5 Millionen Euro verbunden. Sie wird anhand der wissenschaftlichen Exzellenz der Antragsteller sowie des beantragten Projekts vergeben und zählt zu den angesehensten Forschungsförderungen in Europa. Die LMU bietet zudem in Verbindung mit dieser Auszeichnung die Möglichkeit einer sogenannten Tenure-Track-Position, einer Professur mit der Option auf eine Dauerstelle.

Zu den ausgezeichneten Wissenschaftlern, die bereits an der LMU arbeiten, zählen Dr. Caroline Gutjahr von der Fakultät für Biologie, Bereich Genetik, Dr. Sebastian Kobold von der Medizinischen Fakultät, Professor Kai Papenfort von der Fakultät für Biologie und Dr. Alexander Urban von der Fakultät für Physik. Zudem hat Dr. Johannes Stigler, TU München, erfolgreich einen ERC Starting Grant zusammen mit der LMU beantragt. An der LMU wird Dr. Stigler bei Professor Karl-Peter Hopfner am Genzentrum der Fakultät für Chemie und Pharmazie angebunden sein.

Mehr Informationen zu den neuen ERC-Projekten:

Dr. Caroline Gutjahr leitet seit 2015 eine Emmy-Noether-Gruppe an der Fakultät für Biologie, Bereich Genetik, der LMU. Sie forscht vor allem über eine Wurzelsymbiose zwischen Pflanzen und Mykorrhiza-Pilzen.

In ihrem ERC-Projekt „RECEIVE“ wird Caroline Gutjahr die molekularen Regulatoren dieser Symbiose untersuchen, die eine der wichtigsten Partnerschaften im Pflanzenreich ist. Mykorrhiza-Pilze versorgen die Pflanze, mit der sie in Symbiose leben, mit Nährstoffen. Zudem erhöht die Symbiose die Widerstandskraft der Pflanze gegen Umweltstress und einige Pathogene. Aus beiden Gründen sind Caroline Gutjahrs Forschungsergebnisse auch für die Landwirtschaft relevant.

Caroline Gutjahr forscht seit Dezember 2011 an der LMU, an die sie von der Universität Lausanne wechselte. Ihren Doktor erwarb sie bei Dr. Uta Paszkowski an den Universitäten Genf und Lausanne. Zuvor war sie Marie-Curie-Fellow an der Universität Turin in Italien bei Professor Paola Bonfante. Ihr Studium der Biologie hatte sie an den Universitäten Freiburg und Aberdeen durchgeführt und ihre Diplomarbeit bei Professor Peter Nick an der Universität Freiburg absolviert.

Mehr zur Forschung von Caroline Gutjahr:
Wurzelsymbiose: Enge Freundschaft mit Kontrolle (vom 29.3.2016)
www.uni-muenchen.de/forschung/news/2016/gutjahr_symbiose.html

Symbiose: Fettversorgung für Pilze (25.7.2017)
www.uni-muenchen.de/forschung/news/2017/gutjahr_lipide.html

Privatdozent Dr. Sebastian Kobold ist Oberarzt und Leiter der Arbeitsgruppe Immunpharmakologie am Klinikum der LMU in der Abteilung für Klinische Pharmakologie. Der Mediziner forscht über die Immunologie von Tumorerkrankungen, darunter Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dabei untersucht Sebastian Kobold vor allem die Interaktion zwischen Tumorzellen und Zellen des Immunsystems. Er entwickelt innovative Ansätze, wie sich das Immunsystem mithilfe gentechnischer Veränderungen der T-Zellen gegen die Tumorzellen ausrichten lässt.

In seinem ERC-Projekt „ARMOR-T“ wird er T-Zellen für ihren Kampf gegen den Krebs auf zwei Arten „ausrüsten“: Zum einen wird er sie mithilfe einer Reihe verschiedener Proteine die er selbst entwickelt hat, gezielt beeinflussen, und zum anderen gentechnisch verändern. Mit diesem kombinierten Ansatz stellt Kobold die Immuntherapie auf eine breitere Basis. Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Bekämpfung von Bauspeicheldrüsenkrebs, die Ergebnisse sollen auch auf andere Tumorerkrankungen übertragen werden.

Nach seinem Studium der Medizin hatte Sebastian Kobold 2008 seine Weiterbildung in der Klinik für Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf begonnen, ehe er 2010 an die Medizinische Klinik und Poliklinik IV am Klinikum der LMU wechselte. Dort verband er seine klinische Weiterbildung mit dem Aufbau einer experimentellen Arbeitsgruppe in der Abteilung für Klinische Pharmakologie. 2013 ging er als Visiting Scientist in die USA. Hier brachte er am Dana Farber Cancer Institute in Boston sein tumorimmunologisches Wissen bei der Entwicklung neuer therapeutischer Antikörper ein. 2014 habilitierte sich Sebastian Kobold an der Medizinischen Fakultät der LMU.

Mehr zur Forschung von Sebastian Kobold
www.klinikum.uni-muenchen.de/de/aktuelle_startseite/ehrung-preise/160108_jung-stiftung-preis_kobold.html
www.klinikum.uni-muenchen.de/Abteilung-fuer-Klinische-Pharmakologie/de/Arbeitsgruppen_Neu/Immunpharmakologie/Mitarbeiter/index.html

Prof. Dr. Kai Papenfort ist seit September 2015 Professor für Mikrobiologie an der Fakultät für Biologie der LMU. Kai Papenfort forscht darüber, wie sich bakterielle Krankheitserreger über die Regulation ihrer Gene an ihre Umwelt anpassen. Dabei untersucht der Mikrobiologe insbesondere, welche Mechanismen der Genregulation sie benutzen.

In seinem ERC-Projekt untersucht Kai Papenfort einen chemischen Signalweg, über den sich Bakterien untereinander „abstimmen“. Wie Papenfort in einer früheren Studie zeigen konnte, ist bei dem Cholera-Erreger Vibrio cholerae die chemische Verbindung DPO (3,5-dimethylpyrazin-2-ol) entscheidend, um diesen Signalweg zu starten. Der Biologe wird daher die Rolle von DPO für die Interaktion zwischen Bakterien und Wirt analysieren und darauf aufbauend ein Modell zur bakteriellen Kommunikation entwickeln, das möglicherweise neue Ansatzpunkte für die Medikamentenentwicklung aufzeigt.

Vor seinem Ruf an die LMU forschte Kai Papenfort im Rahmen des Human Frontiers Science Programm an der Princeton University in den USA. Zuvor war er Postdoc am Institut für molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg. Seinen Doktor erwarb Kai Papenfort am Max Planck Institut für Infektionsbiologie und der Humboldt Universität Berlin, nachdem er sein Studium an der Philipps Universität Marburg und dem Max Planck Institut für Terrestrische Mikrobiologie im Jahr 2005 abgeschlossen hatte.

Dr. Johannes Stigler ist Physiker. Sein Forschungsinteresse gilt dem Zusammenspiel von Proteinen und DNA auf molekularer Ebene, um zu verstehen, wie Erbinformationen sicher gespeichert werden.

In seinem ERC-Projekt wird Johannes Stigler die komplexen molekularen Mechanismen untersuchen, die für Struktur und Aufbau der Chromosomen verantwortlich sind, zu denen die DNA aufgerollt ist. Dabei wird er modernste mikroskopische Techniken einsetzen, um die Interaktionen zwischen Proteinen und Nukleinsäuren auf der Ebene einzelner Moleküle darzustellen („single molecule techniques“).

Johannes Stigler war zuletzt im Rahmen des Netzwerks der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Columbia University, New York, bei Professor Julio Fernandez und Professor Eric C. Greene. Zuvor forschte er als Postdoc in der Arbeitsgruppe Molekulare Biophysik unter der Leitung von Professor Matthias Rief am Physik-Department der Technischen Universität München. Sein Studium der Physik absolvierte er in München und Lund, seine Doktorarbeit fertigte er am University College Dublin in der Gruppe von Kenneth Dawson an.

Dr. Alexander Urban ist seit 2014 Gruppenleiter am Lehrstuhl für Photonik und Optoelektronik der Fakultät für Physik der LMU. Er forscht über die optischen und elektrischen Eigenschaften von Nanokristallen. So untersucht der Physiker ebenso das Mineral Perowskit als Material für Solarzellen, Leuchtdioden und Laser sowie Kohlenstoff- und Plasmonische Nanopartikel.

In seinem ERC-Projekt „PINNACLE“ konzentriert sich Alexander Urban auf Halid-Perowskite, um diese Materialklasse für neue Anwendungen in der Optoelektronik zu erschließen. Sein Ziel ist es, Perowskit-Nanokristalle auf neuem Weg zu synthetisieren, um einerseits so die optischen, elektrischen und photonischen Eigenschaften des Perowskits gezielter bestimmen zu können und andererseits ihre Stabilität zu erhöhen. Unter anderem plant Urban, die so gewonnenen Nanokristalle in LEDs und Laser zu verwenden.

Alexander Urban war von 2011 bis 2014 Postdoctoral Researcher an der Rice University in Texas, USA. Im Jahr zuvor hatte er an der LMU seinen Doktor mit einer Arbeit über „Optothermal Manipulation of Phospholipid Membranes with Gold Nanoparticles“ erworben. Sein Physik-Studium hat Urban an der Universität Karlsruhe (TH) und der Heriot-Watt University in Edinburgh, UK, absolviert.

Quelle: idw

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Ludwig-Maximilians-Universität München / Luise Dirscherl

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